Ehlenbogen

Der Ort Der Name Das Wappen Die Landschaft Die Strassen und Wege



Der Ort

Ehlenbogen ist ein Stadtteil der Klosterstadt Alpirsbach und liegt im Landkreis Freudenstadt.
Es liegt nördlich der Kernstadt im oberen Kinzigtal auf einer Länge von 6 km. Die Höhenlage ist 400m bis 700m über dem Meer. Ehlenbogen hat ca. 460 Einwohner.

Die Kinzig hat hier im Buntsandsteingebiet ein 200 m tief eingeschnittenes Tal geschaffen, dessen untere Hänge mit Wiesen bedeckt sind. Den reizvollen Gegensatz dazu bieten die zusammenhängende Waldgebiete der mittleren und oberen Hänge. Landschaftlich eindrucksvolle Seitentäler an den West- und Nordwesthängen im Bereich des Lohmühle-, Buch- und Hänslesbauernbaches führen zur Höhe.

Ehlenbogen wurde bereits 1099 im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters in Alpirsbach unkundlich erwähnt.

 




Der Name

Etwas südlich des Dorfes, von der Mündung des Aischbaches an, drängt der Reutiner Berg den nordsüdlichen Flußlauf der oberen Kinzig zu einem kurzen Bogen nach Westen ab. Dieser charakteristischen Stelle verdanken Ort und Tal ihren Namen.

Der Name taucht schon in älterer Zeit in einer Kloster-Foundationsnotiz von 1099 als „Ellenbogun“ auf. Dann als „Elnbogen“ im Jahre 1276, später als „Ellenbogen“ und „Ehlenbogen“. Die Behörde glich sich der Namensdeutung an: Das Dorfwappen zeigt einen Ellenbogen, grün in goldenem Feld.

Das Dehnungs-h in der ersten Silbe des heutigen Wortes ist eine Angleichung der Schreibweise an die Mundart. „Aehleboge“, mit gedehneter erster Silbe, nannten schwäbische Flößer noch im 18./19. Jahrhundert eine Biegung des Flußlaufs.

 




Das Wappen

Wappen_EhlenbogenDas Wappen zeigt einen gebeugten blaubekleideten rechten Arm mit geballter natürlicher Faust auf goldenem Grund Verleihung: Die Annahme erfolgte 1924

 

 

 




Die Landschaft

 





Die Strassen und Wege

Am Erlenbach / Erlenhofweg
Die Erle ist in unseren Breiten ein weit verbreiteter Laubbaum mit holzigen Zapfen. Schwarz- und Grauerle finden sich im Auwald und an Bächen, Grünerle im Gebirge. Der Erlenbachhof war ursprünglich das Leibdinghaus des Bernethofs (jetzt auf südlichem Platz „Gasthaus zum Adler“), das 1826 verkauft wurde.

Am Katzensteig
Laut dem Standardwerk „Schwäbisches Wörterbuch“ ist ein Katzensteg „ein kleiner, schmaler Steg, Pfad, Treppe“. In unserem Fall trifft das für den alten Kirchweg (Pfad, nie Fahrweg) vom oberen Ehlenboger Tal auf den Schömberg zu. Der Visitationsbericht von 1676 vermerkt, es sei „ein hoher, rauer Berg“ zur Mutterkirche zu gehen. Ein anderer Zugang dorthin war die Steige vom Juntlesbauernhof (siehe dort). Oberehlenbogen gehört vom Buchbach aufwärts wie seit neun Jahrhunderten nicht zum Kirchspiel Alpirsbach.

Am Lohmühlebach
Der Loh ist eigentlich ein kleines lichtes Gehölz (vgl. Degerloch oberhalb Stuttgarts oder Schopfloch im Kreis Freudenstadt bzw. auf der Schwäbischen Alb). Der Ehlenboger Lohmühlebach leitet sich natürlich von der Gerberlohe her und verweist auf eine ehemalige Rindenmühle.

Am Reichenbächle
Reichenbach erklärt sich von selbst: ein ständig reichlich Wasser führendes fließendes Gewässer. Im deutschen Sprachraum gibt es unendlich viele danach benannte Flur- und Ortsnamen, z.B. Reichenbächle (Stadt Schiltach) oder (Kloster)Reichenbach (Gemeinde Baiersbronn).

Bachbauernhof
Das umfangreiche Anwesen liegt auf der linken Talseite, nicht weit von der Kinzig, aber vor Hochwasser geschützt. Davon mag der Name herrühren, aber es gibt auch ein von dieser Talseite herkommendes Bächlein. Von 1560-1720 war das Geschlecht der Franz im Besitz des Hofes, seit 1742 ist es das der Beilharz.

Gehrenbachweg
Nach dem Flurnamenbuch Baden-Württemberg ist Ger, Gern (= Speer), Geren, Gerle in übertragenem Sinn ein- spitz zulaufendes Landstück. In Augenschein genommen oder auf der Flurkarte nachgeprüft, trifft das genau zu: zwei Bächle laufen spitzwinkelig zusammen.

Grezenbühl
Früher „des Zieglers Gut“ genannt. Der Hof gehörte um 1560 und früher zum Bernethof. Der jetzige Name lässt auf den Familiennamen „Krötz“ schließen. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatte die Familie Krötz (Gasthaus zum „Engel“ in Alpirsbach) Besitzungen in Unterehlenbogen. 1908 wurde der Hof zu einem Erholungsheim umgebaut. Seither dient dieses entsprechenden, nicht zuletzt therapeutischen Einrichtungen.

Hänslensbauernweg
Den niedriger als der Jockelsbauernhof am Hänslesbauernbach, aber ebenso hochwassergeschützt gelegenen Hof hatte seit 1701 Hans Wesner (1669-1751) inne. 1730 folgte ihm sein Sohn Johannes (1701 -1757). So lässt sich der Name des Hofguts erklären. Dieses war ursprünglich einer der größten Höfe des ganzen Ehlenboger Tals; der Wald links und rechts des Baches gehörte dazu. Das gesamte Anwesen wurde im 19. Jahrhundert vom württembergischen Staat aufgekauft; der Hof samt Feldmark konnte aber zurückerworben werden.

Jockelsbauernhof
Er liegt hochwassergeschützt oberhalb des Hänslesbauernbachs kurz vor dessen Einmündung in die Kinzig. Seit 1712 war der Stabsvogt Hans Jakob (mundartlich Jockel) Heinzelmann (1680-1739), nach ihm 30 Jahre später sein gleichnamiger Sohn (1716 -1789) Hofbesitzer. So dürfte sich die auf uns gekommene Benennung erklären.

Juntleshof
Er trägt seinen Namen nach seinen früheren Besitzern aus einer auf dem Schömberg stark vertretenen Sippe. Das älteste aktenkundig gewordene Mitglied der Familie Junt war der Müller Hans Junt, der zusammen mit drei Kindern 1610 an der Pest gestorben ist. Das zum Besitz zählende Hardthöfle gehörte bis ins 20. Jahrhundert zu Ehlenbogen. Auf dieses hatte sich Balthes Junt nach dem Verkauf des Hofguts an seinen Sohn Andreas zurückgezogen. Zum Areal des Juntleshof gehört auch der bis auf die Höhe reichende Wald jenseits der Kinzig. Der Fahrweg (Kirchweg?) vom Junthof auf den Schömberg wird „Stoag“ genannt. Im Gegensatz dazu ist der schmale Pfad eine „Steig“ (vgl. Katzensteig).

Kinzigtalstraße
Ihr Name versteht sich von selbst, fließt doch der junge Fluss durch das gesamte Tal und erhält von vielen Nebenbächen reiche Zufuhr, so dass es immer wieder flussabwärts zu Überschwemmungen kommt. Die Kinzig entspringt bei Loßburg und mündet nach.112 km bei Kehl in den Rhein. Ihr Name ist vermutlich keltisch und heißt einfach „Fluss“. Sie brachte den Waldbauern seit dem Spätmittelalter hohen Gewinn, weil deren Holz in Straßburg und nicht zuletzt in den Niederlanden sehr begehrt war. Ein Fluss gleichen Namens, 82 km lang, mündet bei Hanau in den Main.

Metzgerbauernhöfe
Der ursprüngliche Hof, erst im letzten Jahrhundert geteilt, war besonders groß. Um 1700 übernahm der Bauer und Metzger Johannes Beck, der weit bekannt und offensichtlich vermögend war, das Hofgut, das seither nach seinem Beruf genannt wird. Zum Untertal hatten die Inhaber immer gute Beziehungen, wie aus den Alpirsbacher Kirchenbüchern hervorgeht.

Mittlere, Obere und Untere Mühle
Mahlmühlen sind von Sägmühlen zu unterscheiden. Sägmühlen waren bzw. sind es folgende von oben nach unten: Lohmühle, Stollensäge am Gehrenbach, Sägmühle am Junthof, Sägmühle beim Metzgerbauernhof, Mühlebauern-Säge, Hänslesbauernsäge. Das Holz wurde also früher nicht weit transportiert, sondern möglichst wald- bzw. hofnah bearbeitet. Mahlmühlen: Um die Mitte des 16. Jahrhunderts befanden sich drei Mühlen im Tal: Die Untere oder Plarrmühle, wohl die älteste des Dorfes (seit 1459 nachgewiesen), die Gebhartsmühle („Mittlere Mühle“) und die Obere Mühle („Stollenmühle“), die als „des Schätzlins Lehen“ zum heutigen Schwenkenhof gehörte. Heute unterscheiden wir Mittlere, Obere und Untere Mühle. Die Mittlere Mühle ist aus der ehemaligen Oberen Mühle hervorgegangen, die bis 1695 mit entsprechenden Grundstücken (Felder, Wiesen und Wälder) zum Schwenkenhof gehörte. Weitere Grundstücke kamen vom Oberdeisenhof dazu. Die vormalige Mahl-, Säg- und Bleimühle scheint 1562 verbrannt zu sein, wurde aber sechs Jahre später wiederhergestellt. Mit Johann Weidenbach von Baiersbronn kam diese Mühle an seine inzwischen weitverzweigte Familie. Noch vor 1836 richtete er eine Gastwirtschaft ein, deren Erweiterung aber abgelehnt wurde. In über eineinhalb Jahrhunderten ist sie aber zu einem viel und gerne besuchten Ausflugsort geworden. Beim Wohnplatz Obere Mühle am Lohmühlebach handelt es sich um das Gelände des ehemaligen Oberdeisenhofs. Zu ihm gehörten zwei Widdumen (Pfarrgüter) der Schömberger Kirche sowie das ursprünglich selbstständige Gut Haugenloch. Die Lage dieser Güter konnte im einzelnen schon im 16. Jahrhundert nicht mehr bestimmt werden. Die dann neu erbaute Obere Mühle erhielt erst 1687 das Mühlenrecht an Stelle der verfallenden Gebhardsmühle, die zum Unterdeisenhof gehörte und als „Mittlere Mühle“ fungiert hatte. Der Unterdeisenhof wurde im 19. Jahrhundert aufgeteilt, wodurch das „Dörfle“ entstanden ist. Die Untere Mühle wurde früher Mühlenbauernhof genannt, war sie doch mit den anderen Mühlen des Tals verbunden. Der Hofbauer wurde stets als Müller bezeichnet. 1848 brannte das Mahl-, Wohn- und Ökonomiegebäude infolge Blitzschlags vollkommen ab, wurde aber neu aufgerichtet. Vier Jahre später, wurde sie vom Vogtsmichelhof getrennt, zu dem sie bis daher gehört hatte.

Schwabenhof
Im Volksmund „Schwobejerg“ genannt. Mit reichem Grundbesitz versehen, befindet er sich seit 1696 in der Hand der Familie Schwab, jeweils vom Vater auf den Sohn vererbt. Der erste war Georg (1671 -1721), danach in drei Generationen Hans Jerg (1700 -1775) oder Johann Georg (1772 -1840).

Schwenkenhof
Er hat seinen Namen von einem der späteren Besitzer aus der unübersehbaren Reihe der Schwenks, in unserem Fall einem Schwenk vom Schwenkenhof beim Trollenberg (Vierundzwanzig Höfe, Gemeinde Loßburg), früher Edelmännischer Trollenberg genannt, weil er nicht zum Alpirsbacher Klosterterritorium, sondern zu dem der Herrschaft Sterneck gehörte. Vor 1459 wurde er „des Schätzlins Lehen“ genannt. Zu ihm gehörte eine Mahl- und Sägmühle,. die noch vor 1560 als „Obere Mühle“, jetzt „Mittlere Mühle“ bezeugt ist. Die damalige „Mittlere Mühle“ gehörte zum Unterdeisenhof im heutigen Dörfle. Die Sägmühle, sicher später immer wieder erneuert, wäre denkmalwürdig gewesen, wurde aber schon vor Jahrzehnten abgebrochen. Über ein Jahrhundert, nämlich von 1738 -1851 besaßen das Kloster Alpirsbacher Erblehen Matthias, Andreas, Christian und Georg Friedrich Schwenk. Auf sie folgte das Geschlecht der Mäder, das noch heute auf dem Hof sitzt.

Vogtsmichelshof
Das Hofgut, rechts vom Buchbach gelegen, der die alte Grenze zwischen Ober- und Unterehlenbogen bildet, wurde wie alle alten Höfe hochwassergeschützt auf einer Anhöhe erbaut. Im Jahr 1800 kam Johann Michael Schillinger (1777 -1875) durch Einheirat auf den Hof. Er stammte aus der Reinerzau und war ein Sohn des damaligen Alpirsbacher Bruckmüllers. Schillinger wurde Stabsvogt und nach der großen Verwaltungsreform der Jahre um 1820 der erste auf Lebenszeit gewählte Schultheiss von Ehlenbogen. Nach ihm heißt heute noch der Hof.

 

„Strassen und Wege“ von Karl Martin Hummel